Disruptive Technologien

KI-Roboter: Vom Spielzeug zum Kollegen Roboter

Prof. Dr. Christopher Jahns – Dezember 2, 2017

von Christopher Jahns

Erinnern Sie sich noch an Aibo? Das war 1999 Sonys Vorstoß in den Heimtiermarkt. Der Roboterhund konnte kriechen, krächzen und später auch einen Knochen tragen – also manches, was ein echter Hund so macht, allerdings viel schlechter. Nicht zuletzt deswegen teilte Aibo dann das Schicksal tausender Tamagotchis und Furbys: kurz geliebt und schnell vergessen. Jedenfalls außerhalb Japans. Vor allem kam Aibo eher als Plastik-Spielzeug rüber und konnte mit den Sympathietriggern eines echten Haustieres nie mithalten. Das will Sony jetzt mit einem Aibo-Wiedergänger ändern, der dank künstlicher Intelligenz (KI) echter wirken soll. Mit maschinellem Lernen passt der Roboter sein Verhalten an die Reaktionen seiner Besitzer an – faszinierend, aber für 1.500 EUR schon in der Preisklasse eines Rassehundes.

Vollautomatisch zur Industrie 4.0

In meinen Augen bleiben Robo-Toys wie Aibo auch mit KI reine Spielereien. Viel spannender ist die Entwicklung der Robotik in anderen Bereichen – dort wird sie die Welt ähnlich nachhaltig verändern wie das Internet und die IT. Gerade im Rahmen der Industrie 4.0 ist sie ein Schlüsselelement, um mit neuen Produktionsmethoden Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit zu geben: Ressourcenverknappung und Klimawandel, Bevölkerungsalterung und die Notwendigkeit, kontinuierliche Effizienzgewinne zu erreichen.

Es ist abzusehen, dass Roboter kleiner und mobiler, vernetzt und kognitiv sein werden. Sie entwickeln sich zum alltäglichen Begleiter des Menschen weiter. Zukünftige Generationen – Robotic Natives – werden Roboter und deren Fähigkeiten als Dienstleistungen wahrnehmen, die via Internet anforderbar sind und sich per Mausklick anpassen.

Je weiter sich künstliche Intelligenz entwickelt, desto klüger werden auch die Roboter: Hans Peter Moravec von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh geht davon aus, dass sie bis 2020 die Intelligenz von Säugetieren, bis 2030 diejenige von Primaten und bis 2040 diejenige von Menschen erreichen. Sie werden zunehmend lernfähig sein (durch Nachahmung, Reflexion, Vorausdenken etc.) und dank unterschiedlicher Konstruktionsformen auch Aufgaben übernehmen, die Menschen nicht erledigen können.

Rückgrat der Produktion

Kollaborative Roboter („Cobots“) übernehmen als flexible, einfach zu programmierende Roboter, die mit Menschen interagieren, in smarten Fertigungsanlagen eine wichtige Rolle. Die Vision: Cobots sollen auf natürliche Weise die Arbeit der Menschen ergänzen, vergleichbar mit dem intelligenten Assistenten J.A.R.V.I.S., der in den Iron-Man-Filmen mit Tony Stark zusammenarbeitet.

Wo auch immer die Reise hingeht – intelligente Roboter werden auch in Zukunft das stabile Rückgrat der industriellen Produktion bilden. Nicht nur in Zellen gefangen, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, sondern mit neuer Intelligenz, einfach implementierbaren Apps, die ihnen per Klick neue Fähigkeiten verleihen, oder mit Cloud-basierten Funktionen, die sie zum aktiven Player in der flexiblen, autonom agierenden und robotisierten Smart Factory machen. Im Vergleich zu Isaac Asimovs Visionen ist dies keine Science Fiction, sondern gelebte, progressive Realität.

Hot Spots der Robotik

Der von der International Federation of Robotics (IFR) herausgegebene Welt-Roboter-Report sieht aktuell die Staaten der Europäischen Union in Sachen Automation besonders weit vorangeschritten. Gemessen an der Roboterdichte pro 10.000 Arbeitnehmer, ist der Automatisierungsgrad im produzierenden Gewerbe in Westeuropa sehr hoch. Traditionell sind natürlich auch Japan und vor allem Südkorea mit 305 bzw. 531 Robotereinheiten je 10.000 Arbeitnehmer extrem stark automatisiert.

Der größte Wachstumsmarkt für die Robotik bleibt indes China. Im Reich der Mitte sollen 2019 rund 40 Prozent des weltweiten Marktvolumens an Industrierobotern verkauft werden. Bis 2020 soll die Roboterdichte in China von heute 49 auf 150 Einheiten steigen. Das Know-how, über das gerade Deutschland im Bereich der übergreifenden Prozessautomatisierung verfügt, kann dabei eine wertvolle Hilfestellung leisten – eine Win-win-Situation für beide Volkswirtschaften.

Herzlichst, ihr Christopher Jahns

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Diese Roboter-Typen könnten es zu etwas bringen:

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