Disruptive Technologien

Robotik: Serviceroboter als Teil unserer Gesellschaft

Prof. Dr. Christopher Jahns – April 17, 2018

von Christopher Jahns

Süß sehen sie aus. Ganz weiß und mit großen Kulleraugen. Sie verstehen fast jedes Wort, schauen treuherzig in die Welt und wollen sich nützlich machen. Das Reiseunternehmen TUI hat schon einen, ebenso die Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC oder die Elektronik-Fachmarktkette Saturn. Sie heißen Paul, Lisa, Pepper, Relay, King Kong oder Sanbot Elf und sind Serviceroboter.

Pepper, Paul und Lisa – die neuen Roboter-Kollegen

In China und Japan sind Serviceroboter schon länger in Pflegeheimen, Banken, Einzelhandelsgeschäften und Restaurants im Einsatz, jetzt tauchen sie auch vermehrt in Europa auf. Im TUI-Reisebüro in Berlin hat der kulleräugige, 1,20 Meter große „Pepper“ seinen Dienst angetreten und empfiehlt hier sogar Reiseziele. Er kann Hotelbuchungen vornehmen, Flugbuchungen ändern oder Tickets reservieren. Roboterkollege „Paul“ hilft den Kunden bei Saturn bei der Produktsuche. Während „Lisa“ noch die Schulbank drückt, ist „Sanbot Elf“ bereits voll im Einsatz. Ob als Lobby-Manager bei der Bank of China, als Assistent im Shenzhen Bao’an International Airport, als Lehrer oder als Helfer beim Zoll im Gongbei Port of Entry, wo er Auskunft über Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten gibt: Der Serviceroboter der QIHAN Technology Company, in Zusammenarbeit mit IBM Watson entwickelt, ist gefragt und vielseitig einsetzbar.

Die neuen smarten Serviceroboter können auf unterschiedlichste digitale Dienste zugreifen, sind sprachgesteuert und setzen fast immer auf Machine-Learning-Technologien, um immer besser zu werden. Sowohl Pepper als auch Paul können Empathie simulieren. Pepper erkennt mithilfe von Kameras, Sensoren und Mikrofonen Freude, Wut, Trauer und Überraschung und erzählt Witze, sobald ein Kunde lacht. Und Paul kann Kunden mit Smalltalk bei Laune halten. Sanbot Elf verfügt zusätzlich über eine Gesichtserkennung und kann Kunden oder Gäste mit ihren Namen begrüßen.

Smart Robotics im Eigenheim

„Zukünftig werden Roboter nicht mehr nur ein eigenes Werkzeug sein, das den Menschen bei ihren Tätigkeiten zur Hand geht, sondern ein fortgeschrittener, intelligenter Assistent der Menschen, der einer neuen Ära der intelligenten Transformation den Weg weist“Chinas Vize-Ministerpräsidentin Liu Yandong auf der Weltroboterkonferenz in Beijing im August 2017

Inzwischen bannen sich die Roboter auch den Weg in unsere Wohnungen und Häuser. So hat auf der IFA 2017 in Berlin die QIHAN Technology Company den „Sanbot Nano“ vorgestellt, der speziell für den Heimgebrauch konzipiert wurde. Er ist der erste Hausroboter, der das aufkünstlicher Intelligenz (KI) basierende System Alexa von Amazon übernimmt und somit über eine hervorragende Sprachinteraktion verfügt. Der Cloud-fähige Roboter verfügt zudem über intelligente Haussteuerungs- und Fernsteuerungsoptionen und ermöglicht so eine effektive Verwaltung für Haushalte auf der ganzen Welt. Sanbot Nano, ausgestattet mit mehr als 50 Sensoren, dürfte damit ein besonders schlauer häuslicher Mitbewohner sein. Er kann Hindernissen aus dem Weg gehen, Stimmen erkennen und weiß, wann jemand das Zimmer betritt. Er kann Pizza bestellen, ein Auto anfordern, Fitnessstatistiken prüfen, den Fernseher bedienen oder Musik von Streaming-Plattformen abspielen. Der unermüdliche Butler lässt sich mit intelligenten Heimgeräten für den vernetzten Haushalt koppeln und ist auf dem besten Weg, der gute Geist des Hauses zu werden.

Empathie für Androiden?

Das Disruptive dieser Entwicklung ist dennoch nicht in den habituellen Veränderungen beim Management unserer Alltagsprozesse zu suchen, sondern in einem komplexen, vielschichtigen und natürlich auch von Paradoxien geprägten Verhältnis, das wir zu den Androiden entwickeln werden. Oder um es mit den Worten der Roboter-Forscherin Julie Carpenter zu sagen: „Wenn wir einem Roboter die Funktion zuschreiben, menschliche Bedürfnisse zu erfüllen, dann ist es ganz leicht, für den Roboter auch Gefühle zu entwickeln. Denn im Sozialgefüge haben wir ihm die Rolle eines anderen Menschen gegeben.“

Herzlichst, ihr Christopher Jahns

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